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Sicherheit und Verteidigung auf deutschem Bundesgebiet

Nuklearterrorismus: Meinung eines US- Abrüstungsexperten

In einem Spiegel Online Interview vom 07.02.2012 erörtert der Redakteur Markus Becker mit dem ehemaligen US- Chefunterhändler Richard Burt, die globale Situation eines möglichen nuklearen Terroranschlags.

Die Verbreitung von Nuklearwaffen steige unaufhaltsam. Terroristen könnten eine Atombombe in einer Großstadt zünden. Richard Burt vertritt die Auffassung, dass sich die Risikobewertung im Kalten Krieg zur heutigen Weltlage erheblich verändert hat. Seinerzeit stand ein möglicher nuklearer Schlagabtausch zwischen Supermächten zur Gefahrendisposition. Heute existiere die Gefahr, statt eines bipolaren Rüstungswettlaufs eine Welt voller Atomwaffen zu haben. Das sie tatsächlich eingesetzt werden, sei heute wahrscheinlicher als noch vor 20 Jahren, so Richard Burt.

Mit steigender Verbreitung von Atomwaffen brechen die bisherigen Abschreckungsmechanismen zusammen. Zwischen den USA und der UDSSR gab es seinerzeit einen ideologischen und strategischen Wettstreit. Ethnische Probleme, geschichtliche Rivalität oder gar Hass hätten nicht existiert im Spektrum dieser Drohkulisse, so Richard Burt. Schaue man sich im Heute beispielsweise Pakistan und Indien an, erscheine es durchaus vorstellbar, dass ein zunächst kleiner Konflikt in einem nuklearen Schlagabtausch eskalieren könnte.

Was könnten Terroristen mit Uran oder Plutonium anfangen, fragt der Spiegel-Redakteur? Das Material zu besitzen, ist eine Sache, die Konstruktion einer Atombombe aber doch eine ganz andere.

Das Wissen für die Konstruktion einer einfachen Atombombe sei im Internet zu finden, so Richard Burt. Der Flaschenhals sei die Beschaffung waffenfähigen Spaltmaterials, wie hochangereichertes Uran oder Plutonium. Habe man diese Chemikalien, könne man auch eine entsprechende Bombe bauen.

Aber die Bombe müsste man dann immer noch über die Grenze und zum Ziel transportieren, entgegnet der Spiegel-Redakteur.

Richard Burt nennt das Beispiel der US-amerikanischen Drogenbekämpfung. Wie schwer die Behörde es habe, die Einfuhr illegaler Drogen ins Land zu verhindern. Tonnenschwere Lieferungen! Es wäre der falsche Weg, sich nur darauf zu konzentrieren, dass eine Atomwaffe mit einer Langstreckenrakete ins Ziel gebracht werden kann.

Nehmen wir einmal an, so der Spiegel-Redakteur, Terroristen würden tatsächlich eine Atombombe in einer Großstadt zünden. Wären die Folgen wirklich so verheerend, wie einige Mahner behaupten? Nach dem Zweiten Weltkrieg etwa lag in Europa nicht eine Stadt in Trümmern, sondern nahezu der gesamte Kontinent. Dennoch waren zwei Jahrzehnte danach die schlimmsten Folgen überwunden, die Wirtschaft hatte sich erholt.

Richard Burt meint dazu, dem könne man entgegenhalten, was nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA und anderen Ländern passiert ist. Einige tausend Menschen haben ihr Leben verloren und die Schockwellen liefen um den ganzen Globus. Der Vergleich mit der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg funktioniere deshalb nicht, weil die Menschen damals wussten, dass der Krieg vorbei war und der Wiederaufbau beginnen konnte. Aber nach einem nuklearen Terroranschlag würde sich die Angst in jeder Stadt ausbreiten. Die Bewohner würden sich fragen: “Sind wir die nächsten?”

Aber wäre die Angst nicht auch irgendwann wieder verschwunden, fragt der Spiegel-Redakteur.

Vielleicht, meint Richard Burt. Aber vorher käme es unausweichlich zu einer Überreaktion der Regierung. Sagen wir, in New York kämen 3-4 oder 5.000 Menschen durch eine Atombombe um. Die Bevölkerung würde mit überwältigendem Druck von der Regierung verlangen, eine Wiederholung einer solchen Tragödie zu verhindern. Wir würden Gefahr laufen, alle bürgerlichen Freiheiten zu verlieren. Die Pressefreiheit, die Redefreiheit – all das würde wahrscheinlich schnell verschwinden, weil die Menschen auf einer nahezu polizeistaatlichen Sicherheit bestehen würden. Dies sei für ihn die größte Gefahr, die von Nuklearterrorismus ausgeht.

(08.02.2012/Löwenzahn)

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