Zweisteins Gedanken zur aktuellen Terrorbedrohungslage in der Bundesrepublik Deutschland.
Wenn Sie derzeit das Wort Terrorismus hören, denke Sie dann zuerst an rechtsextreme Gewalttäter, die ausländische Mitbürger in Deutschland getötet haben, oder an Gefährder aus der islamistischen Szene, die regelmäßig und in immer wieder kehrenden Zeitintervallen über Ihre Netzwerke mit Terroranschlägen in Deutschland drohen?
Wahrscheinlich denken Sie beim Wort Terrorismus in diesen Tagen zuerst an ein viel gezeigtes Foto mit den Konterfeis einer Frau und zwei Männern; die so genannte Zwickauer Terrorzelle. Vielleicht fällt Ihnen in diesem Zusammenhang auf, wie eine erfahrene Medien-Nation derzeit um Definitionen ringt.
Nach dem 11.09.2001 schien die Welt übersichtlich in der Klassifizierung des Terrors. Wahnsinnige Islamisten, angeführt von Osama Bin Laden und seinem Terrornetzwerk Al-Kaida fliegen mit gekaperten Verkehrsmaschinen in Hochhäuser, zünden Bomben in Moscheen, Botschaften, Bus und Bahn und haben mit ihrer Propaganda hierzulande erreicht, dass ein Schaaf im März 2011 auf dem Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten erschoss und weitere Soldaten schwer verletzte. Ferner haben die wahnsinnigen Islamisten mit ihrer Terror-Propaganda eine Situation geschaffen, in der unser Parlament in Berlin seine relative Freizügigkeit im Besuchen und Betreten des Gebäudes verlor. Deutschland ist derart feinfühlig, dass ein Terroralarm ganze deutsche Ballungszentren für Stunden lahmlegen kann.
Im Sommer 2011 kam Breivik wie aus dem Nichts. Der Geisteskranke aus Oslo, der mit seinen beiden Terroranschlägen mit 77 Todesopfern unser bis dahin medial konditioniertes Verständnis, Terroranschläge werden von Islamisten verübt, gehörig durcheinander wirbelte. Bis heute sind wir unbeholfen in der ideologischen Einordnung dieser grausamen Tat und bestaunen den besonnenen Umgang der Norweger mit ihrer nationalen Tragödie.
An einem Tag im November 2011 ereignete sich, dass zwei Deutsche nach einem verübten Banküberfall in einem Wohnmobil ums Leben kamen und am selben Tag in Zwickau der Dachstuhl eines Hauses brannte. Islamisten wurden dabei keine gesichtet und dennoch übertraf sich das Nachrichtenmagazin Spiegel im Terrorismus-Vokabular seiner Berichterstattung, dass sogar der Bundesinnenminister in einem seiner ersten Interviews nach Feststellung des Gewalttrios, ebenfalls – wenn auch zögerlich – von Terrorismus sprach.
Die Bundeskanzlerin, in der TV Sendung „Berlin direkt“ vom Moderator über den Rechtsterrorismus befragt, mied dieses Gewalt-Etikett, sie sprach von Rechtsextremismus und einer Schande für Deutschland. Allgemein haben sich die meisten Medien auf die Bezeichnungen „Terror-Zelle/-Netzwerk/-Trio“ festgelegt. Andere sprechen von einer „Braunen Armee Fraktion“ in Anlehnung an die einstige deutsche Terrorgruppe RAF und vergleichen damit möglicherweise Äpfel mit Birnen.
In der Bildzeitung kam ein Terrorismus-Experte zu Wort der erläuterte, dass Terrorismus immer auch in einer direkten Verbindung mit Propaganda steht und die Vorgehensweise der Zwickauer Tätergruppe nicht in dieses Raster hinein passt.
Ändert sich nun mit den Ereignissen in Zwickau die Terrorbedrohungslage der Bundesrepublik Deutschland? Müssen wir nun mehr Angst vor fanatisierten Islamisten haben, oder vor rechtsextremen Mördern? Oder müssen wir uns jetzt vor unterschiedlich gepolten Terroristengruppierungen gleichzeitig fürchten? Der eine Täterkreis hat es auf Pendler in Zügen abgesehen, auf das wahllose Töten von Menschen, um den Staat in eine nationale Sicherheitszwickmühle zu treiben. Der andere Täterkreis tötet gezielt ausländische Mitbürger und ramponiert gleichzeitig das internationale Ansehen Deutschlands als kulturoffenes Land.
Laufen wir als Gesellschaft in Terrorismuszeiten Gefahr, dass wir uns selbst bis zum kollektiven Kopfkino-Kollaps in den Terrorwahn manövrieren?
Wahrscheinlich ist die Terrorbedrohungslage in Deutschland seit Zwickau unverändert geblieben. Von den viel zitierten 1.000 gewaltbereiten Islamisten, die in Deutschland leben, dürften durch untersagte Reisen in Terrorcamp Regionen noch alle da sein.
(28.11.2011/Zweistein)
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