Vom kiffenden Jugendlichen zum Al Kaida – so fasst die Frankfurter Rundschau knapp und dramatisch den Lebensweg von Rami M. zusammen. Laut FR ist sein Fall beispielhaft dafür, wie es passieren kann, dass sich in Deutschland junge Männer der Terrororganisation anschließen.
25 Jahre ist Rami M. alt. Er wurde in Frankfurt am Main geboren. Im Sommer 2009 wurde er in Pakistan in einem Terrorcamp ausgebildet, zur Vorbereitung für Kampfeinsätze. Insgesamt 13 Monate verbrachte der gebürtige Frankfurter bei Al Qaida. Nun stand er vor Gericht und wurde zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Der Richter bezeichnete ihn als “sehr unreif”. Von daher war er laut FR leichte Beute für die Terroristen.
Nachdem er verhaftet wurde, legte er jedoch nicht nur ein umfassendes Geständnis ab – wofür ihm eine Höchststrafe von fünf Jahren versprochen wurde, statt der ansonsten bis zu zehn Jahren -, sondern informierte die deutschen Behörden auch über mögliche Terroranschläge, was zu einer drastischen Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen führte. Das wurde strafmildernd berücksichtigt. Noch vor der Verkündung des Urteils entschuldigte sich der Angeklagte bei allen und gab seiner Reue Ausdruck.
Rami M. hatte seiner Familie geschildert, wie er als kiffender Jugendlicher eigentlich eher aus Langeweile die Moschee besucht hatte. Anscheinend weil er sich von der deutschen Polizei diskriminiert fühlte, sei er in seinem muslimischen Glauben radikaler geworden.
Interessant ist, dass im Laufe des Prozesses auch über die Frage diskutiert wurde, ob Al Kaida auch nach dem Tod der führenden Köpfe überhaupt noch als terroristische Vereinigung angesehen werden kann. Als Sachverständiger führte ein Islamwissenschaftler, der für die Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin arbeitet, dazu aus, diese Vereinigung gebe es noch immer, und die Strukturen seien nicht zerstört worden. Er erklärte weiterhin, dass immer wieder Islamisten in Pakistan ausgebildet und sich Al Kaida anschließen würden und dass Al Kaida jede Gelegenheit nutzen würde, hier einen Anschlag zu verüben.
(10.05.2011/Shaldon)
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