Forschung für die Sicherheit (hitec/3Sat)

Im Jahr 2011 produzierte das ZDF in einer Gemeinschaftsproduktion mit dem TV- Sender 3Sat eine Reportage mit dem Titel: „Späher, Scanner und Sensoren – Forschung für die Sicherheit“.

TSA-Protokollierung des Inhalts:

Überwachungskameras die selbständig Alarm schlagen. Kameras die voraussehen, was passieren wird, Kameras, die Gedanken lesen können.

Eine neue Generation hochentwickelter Sicherheitstechnik soll uns schützen vor Terror und Gewalt. Doch wie steht es um Privatsphäre und Menschenwürde? Und lohnt sich die aufwendige Forschungsarbeit? Kann Technik unsere Welt wirklich sicherer machen?

In Amsterdam arbeitet der Informatiker Dariu Gavrila an einem weltweit einzigartigen Überwachungssystem. An einem Bahnhof in den Niederlanden hat er es zum ersten Mal getestet. Sein System soll nicht nur Videos liefern, sondern automatisch Alarm schlagen, wenn sich Menschen auffällig verhalten. Als Schutz vor Gewaltverbrechen und Terrorismus. Das Projekt soll helfen die Millionen Bilder zu bewältigen, die täglich von Überwachungskameras erfasst werden.

(Hausschildeinblendung im Film: Science Park 904 / Universiteit van Amsterdam)

Dariu Gavrila: „All diese Kameras sind installiert, aber es gibt niemanden der sie sich anschaut; überspitzt gesagt. Deswegen gibt es einen sehr hohen Bedarf an intelligenter Kameratechnologie, die aus dieser Flut von Daten die interessanten, die relevanten quasi extrahiert. Und was relevant ist das kann in Bezug sein auf Kriminalität oder eben auf Terrorismus.“

Das Ziel der Forschung: Gewalttäter sollen sich schon vor der Tat durch ihr Verhalten verraten. Im Augenblick bringt Herr Gavrila dem Computer bei, wann im Bild Aggression zu sehen ist. Der Rechner kann bereits die Körpersprache mehrerer Menschen gleichzeitig analysieren. In welcher Haltung begegnen sie einander? Wie ist die Position ihrer Arme und Beine? Wird die Situation in einer Prügelei enden? Für die Maschine bereitet das ungeheure Rechenarbeit. Was die meisten Menschen intuitiv erkennen, mit der Computer mit bereits abgespeicherten Verhaltensmustern vergleichen.

Dariu Gavrila: „Es gibt Experten die die Szene bewerten und im Real-Fall gibt es natürlich nur die Sensordaten. Aber die Abbildung ist dann gelernt und das System schätzt dann selber, wie aggressiv eine Szene ist.“

Herr Gavrila und seine Forscherkollegen zielen mit ihrer Technik auf einen riesigen Markt. Alleine in Deutschland setzt die Sicherheitsbranche jährlich rund 10 Milliarden Euro um. Weltweit hofft man, Anschläge und Gewalt auf Flughäfen, Bahnhöfen und Großveranstaltungen zu verhindern. Mit speziellen Kameras, Scannern und Detektoren. Der Traum aller Überwachungstechniker ein Kamerasystem, das Gewalttäter und Terroristen aus dem Strom der Menschen herausfiltern kann. Bevor die Situation gefährlich wird. In Zukunft könnten vernetzte Kameras registrieren wer sich, zum Beispiel auf einem Flughafen, ungewöhnlich verhält. Wer ohne Kaffeepause zum Flugsteig eilt, oder mehrmals auf die Toilette geht, wird dann unter Beobachtung stehen. Denn er könnte ein Terrorist sein, der wegen seines geplanten Anschlags aufgeregt ist.

Dariu Gavrila: „Wir werden ein System haben, das Abweichungen von normalen Handlungen in einer bestimmten Szene erkennen kann. Eine Szene, dass kann zum Beispiel ein Fußball-Stadion sein oder ein Bahnhof. Das normale Verhalten in diesen verschiedenen Settings wird anders sein und so könnte man unter Umständen auch ein untypisches Verhalten erkennen, was möglicherweise auch ein Terrorist sein könnte.“

Um dieses Ziel zu erreichen muss der Rechner noch viel lernen. Dazu spielt das Forschungsteam dem Software-System immer wieder Handgreiflichkeiten vor. Das Programm ist eines von hunderten Sicherheitsprojekten der Europäischen Union. Bis 2013 stehen für die Entwicklung solcher Technologien rund 1,4 Milliarden Euro bereit. Das Thema Sicherheit hat höchsten Stellenwert. Wie kompliziert die Arbeit der Forscher sein kann zeigt die Szene, Fußball-Fans jubeln nach dem Sieg ihrer Mannschaft. Das System stuft die Bewegungen der Fußball-Fans als unnormales Verhalten ein und signalisiert Aggression. Es muss die feinen Unterschiede zwischen Gewalt und Freudentaumel noch lernen.

Szenenwechsel im Film:

An der Universität Tübingen beschäftigen sich Wissenschaftler im Auftrag der Bundesregierung mit ethischen Fragen der neuen Sicherheitstechniken. Die Projektleiterin Frau Regina Ammicht Quinn sieht es kritisch, wenn menschliches Verhalten von Maschinen beobachtet und beurteilt wird.

Regina Ammicht Quinn: „Wir definieren, wie ein Mensch sich normal zu verhalten hat und wir verlangen von Menschen normal zu sein, oder sich normal zu verhalten. Und setzen damit auch eine gesellschaftliche Entwicklung in Gang, die wir vielleicht nicht haben wollen.“

Szenenwechsel im Film:

Für das Gefühl von Sicherheit wird viel unternommen; aber auch hingenommen. Forscher des Frauenhofer Instituts für Systemtechnik und Bildauswertung in Karlsruhe wollen diese gefühlte Sicherheit steigern. Eine Kamera, die sich selbständig stabilisiert und hochauflösende Bilder durch ein Glasfaserkabel schickt. Diesen, an ihrem Institut entwickelten Späher wollen die Wissenschaftler heute testen. Ein Zwischending aus Drachen- und Helium-Ballon bringt die Spezialkamera an ihren Einsatzort. Hoch über den Köpfen der Menschen, zu deren Schutz sie beitragen soll. Es ist das Publikum eines alljährlich stattfindenden Musikfestivals. Für die Karlsruher heißt es einfach nur das Fest. Wer heute eine Großveranstaltung besucht ist an umfassende Überwachung gewöhnt. Dass damit nicht automatisch die Sicherheit steigt, hat die Tragödie von Duisburg gezeigt. Das besondere am System der Karlsruher Forscher, sie steuern Aufklärungs- und Miniaturfluggeräte im Sensorverbund. In ihrer Bodenstation führen sie die Daten gleich mehrerer fliegender Kameraaugen zusammen. Ob Bombendrohung oder Massenpanik, das vernetzte System kam jedes Detail in Zoom-Aufnahme heranholen. Soll so den Sicherheitskräften helfen, die Lage unter Kontrolle zu halten.

Im SMART-CONTROL-ROOM laufen die Fäden zusammen, wenn es ernst wird. Was im Spielfilm Minority Report noch Science Fiction war, entwickelt Jürgen Geisler und sein Team derzeit bis zu Praxisreife (Frauenhofer Institut IOSB). Der Raum ist ein elektronisches Lagezentrum, doch hier müssen nicht dutzende Monitore beobachtet werden, vielmehr stehen die Überwacher selbst unter Kamerabeobachtung. Jeder Mitarbeiter muss sich mittels Gesichtserkennung identifizieren lassen. Er erhält sein persönliches Werkzeug-Rad, das ihn ständig begleitet. Nun kann er sogar aufwendige Großeinsätze mit wenigen Handbewegungen an einem großen Wandbildschirm steuern. Selbst, wenn er etwas übersieht, der mitdenke Raum bemerkt es.

Jürgen Geisler: „Die Intelligenz dieses Raums besteht darin, das zu wissen oder zu ahnen, weil die Technik des Raums dann sieht, die Person hat auf einen bestimmten Punkt noch gar nicht drauf geschaut. Ihm dann – wie ein unauffälliger Gehilfe – dann diese noch nicht beachtete Information in den Sichtbereich zu schieben und zu zeigen, da musst du noch mal drauf schauen.“

Auch die Bilder aus der Ballonperspektive sind abrufbar und tragen zur Lagebeurteilung bei. Am späten Nachmittag ist die Zahl der Festivalbesucher noch überschaubar. Die Polizei und alle, die für die Sicherheit verantwortlich sind, rüsten sich für den großen Besucherandrang am Abend. Gelegenheit für die Frauenhofer-Team ein weiteres fliegendes Auge zu testen. Die Drohne Quadrocopter kann alles im Blick halten, was von der Übersichtskamera nicht erfasst wird. Der Polizei bieten sich damit ungeahnte Möglichkeiten. In Frankreich und Groß Britannien werden Quadrocopter schon zur Verbrecherjagd eingesetzt. Hierzulande sind die Behörden noch zurückhaltend, für viele Menschen ist der nahezu geräuschlose Flugroboter das Sinnbild eines Überwachungsstaates. Der Quadrocopter kann nach Belieben Bilder und Daten sammeln ohne bemerkt zu werden. Doch er kann auch helfen Verbrechen aufzuklären, so wie bei einer Übung der Forscher. Ein mutmaßlicher Bombenleger beobachtet durch das Auge der Flugdrohne.

(Im Film deponiert ein Mann einen Rucksack in einem Müllcontainer und im SMART-CONTROL-ROOM ertönt ein Warnsignal.)

Im Kontrollraum werden verschiedene Szenarien durchgespielt. Kommt es zu einer Explosion des Sprengkörpers, so kann der Einsatz der Rettungskräfte vom digitalen Lagezentrum aus koordiniert werden. Es wird dann zur gemeinsamen Schaltzentrale von Feuerwehr, Notdienst und Polizei. Doch was, wenn nur der Verdacht besteht, dass der Täter Sprengstoff deponiert hat? Bombenalarm, ein Fall für die Bodentruppen, in der so genannten „Systemkette Sicherheit“.

(Im Film ist ein kleiner Roboter im Größenformat eines flachen Staubsaugers zu sehen mit Funkantenne, der sich zu der verdächtigen Mülltonne hinbewegt.)

Mit seiner Videokamera kann der Roboter Nahaufnahmen vom Tatort übertragen, auf seiner Plattform lässt sich aber auch ein Sprengstoffsensor installieren. Im Ernstfall würden die Besucher natürlich evakuiert. Den Probelauf der Technik gegen den Terror sehen die Veranstalter des Festivals als Werbung. Sicherheit ist uns wichtig, so die Botschaft. Doch macht komplexe Technologie unser Leben automatisch sicherer? Manche Experten sind da skeptisch.

Szenenwechsel im Film:

Am Hamburger Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik beschäftigt sich der Politikwissenschaftler Martin Kahl mit Fragen der Terrorismusbekämpfung. Die meisten Anschlagen, so sagt er, seien das Werk von Einzeltätern, die vorher nie aufgefallen sind. Diese Art von Terror sei kaum zu verhindern.

Martin Kahl: „Und ich habe auch meine Zweifel, ob man auch mit den größten Technologieeinsatz absolute Sicherheit erstellen kann. Es gibt, es wird immer wieder Akteure geben, die in der Lage sind die technologischen Vorrichtungen zu überwinden, sich etwas einfallen zu lassen, dann doch einen Anschlag zu verüben.“

Der 11. September 2001 hat aber genau diesen Wunsch wachgerufen. Absolute Sicherheit. Das die Attentäter problemlos alle Kontrollen durchschreiten konnten war ein Schock. Flugreisende werden heute schärfer den je kontrolliert, besonders in den USA. Die berüchtigten Nacktscanner sind von vielen Reisenden gefürchtet. Die verwendeten Röntgenstrahlen sorgen immer wieder für Proteste. Hinzu kommt, dass viele Passagiere die schonungslose Durchleuchtung als entwürdigend empfinden, das gleiche gilt für die rigorosen Leibesvisitationen. In Deutschland wurden die neuartigen Scanner erstmals am Hamburger Flughafen getestet. Die Passagiere werden dabei mir elektromagnetischen Millimeterwellen bestrahlt. Gesundheitliche Bedenken bleiben. Ein Fortschritt aus Sicht der Persönlichkeitsrechte, der Bildschirm zeigt kein anatomisches Abbild der gescannten Person, sondern ein neutrales Piktogramm. Doch bei dem 10 monatigem Testlauf traten viele Fehler auf, der Scanner schlug sogar bei Schweißflecken Alarm. Seine Einführung wurde bis auf weiteres verschoben. (Artikel zu Körperscanner)

Szenenwechsel im Film:

Das Institut für photonische Technologien in Jena. In einem dortigen Labor besteht das Kernstück einer völlig neuen Generation von Körperscannern. Ein Sensor, der selbst extrem schwache Strahlung, so genannte Terahertz Wellen registrieren kann. Gefördert wird das Projekt vom Bundesforschungsministerium. Ursprünglich wurde der hochsensible Sensor entwickelt um kosmische Strahlung zu messen. Doch er kann auch das Wärmebild eines Menschen registrieren. Nach der Belichtung werden die „Waver“ in die Entwicklungsflüssigkeit getaucht. Hier werden die ultraempfindlichen Sensoren schnell sichtbar. Der Physiker Torsten May hatte die Idee auf Basis dieser noch jungen Technologie, einen besonders diskret arbeitenden Körperscanner zu entwickeln. Sorgfältig prüft er, ob im reinen Raum sauber gearbeitet wurde. Mit der Qualität der Chips steht und fällt der Erfolg seiner Terahertz-Kamera.

Torsten May: „Die Sensoren stellen das Herzstück unserer Kamera da. Wir haben diese Sensoren ursprünglich für viel schwächere Signale, radioastronomische Signale entwickelt und das ist genau was uns hier auszeichnet. Solche Technologie existiert unseres Wissens an keiner anderen Stelle.“

Am Flughafen Erfurt-Weimar möchte Torsten May seinen Scanner heute unter realen Bedingungen testen. Letzte Feinjustierungen des Kameraobjektivs, das die Wärmebilder einfangen soll. Eigene Strahlung sendet das Gerät nicht aus, es ist daher gesundheitlich unbedenklich. Die Sensoren hinter dem weißen Sichtglas sind so empfindlich, dass ihnen die Wärmestrahlung genügt, die von der menschlichen Haut abgegeben wird. Um zu funktionieren müssen die Sensoren extrem gekühlt werden. Auf minus 272 Grad. Nur wenig über dem absoluten Nullpunkt. Schon acht Stunden vor jedem Einsatz muss das Kühlsystem gestartet werden. Doch dann leistet der Detektor erstaunliches. Selbst in mehr als 10 Metern Entfernung hebt sich ein menschlicher Körper deutlich von der Umgebung ab. Ein Scanner, der ohne Schleuse oder Kabine auskommt.

Nun die Bewährungsprobe: Wie gut gelingt es der Terahertz-Kamera Waffen und andere gefährliche Objekte aufzuspüren? Ein Messer aus Keramik, Plastiksprengstoff, oder eine Kunststoffpistole, mit herkömmlichen Metalldetektoren sind solche Waffen kaum zu entdecken. Doch die Objekte blockieren die Wärmestrahle des menschlichen Körpers. So hat Torsten May festgestellt. Kleidung dagegen lässt die Strahlung durch. Anatomische Details sind auf dem Wärmebild kaum auszumachen, anders als bei den viel kritisierten Nacktscannern. Ein Objekt unter der Kleidung zu verstecken wird kriminellen bei dieser Art der Kontrolle kaum gelingen. Noch ist der Bildausschnitt auf 1,20 Meter beschränkt. Das Ziel von Torsten May ist es mit der Kamera, die ganze Person zu erfassen und die Bildauflösung zu verbessern.

Torsten May: „Man kann sich perspektivisch natürlich vorstellen, dass die Person die untersucht wird, quasi vorbeiläuft und im Vorbeigehen abgebildet wird. Sich die Sicherheitskontrolle für die Person wesentlich angenehmer und auch für den Sicherheitsbeamten wesentlich effizienter gestaltet. Das ist sicherlich auch eine Anforderung für die Flughäfen der Zukunft noch größere Passagiermengen in noch kürzerer Zeit abzufertigen.“

Szenenwechsel im Film / Universität Tübingen:

Regina Ammicht Quinn: „Diese beiläufige Kontrolle ist natürlich für Flughafenbetreiber ein großer Vorteil. Es geht schneller und Menschen werden nicht belästigt. Eine der großen Voraussetzungen wird sein das die Information gegeben wird, dass man kontrolliert wird. Ohne Information halte ich es nicht für akzeptabel.“

Doch was, wenn Terroristen ihre Waffen oder den Sprengstoff gar nicht am Körper tragen? Sondern beispielsweise in einer Tasche, die sie nach Belieben stehen lassen können? So wie die Kölner Kofferbomber, deren geplante Terroranschläge auf Züge der Deutschen Bahn nicht gelangen, weil die Bomben nicht zündeten.

Szenenwechsel im Film:

Das Frauenhofer Institut für angewandte Festkörperphysik in Freiburg (IAF). Hier arbeiten Frank Fuchs und sein Team an einer Technik, die Kofferbombern künftig das Handwerk legen könnte. Im Zentrum der Technologie ein augensicherer Laser mit außergewöhnlichen Fähigkeiten. Der Laser kann über einen großen Spektralbereich die Farbe ändern. Ein Viertel des Infrarotbereichs können die Forscher so bereits abdecken. In diesem Teil des Infrarot-Spektrums liegen auch die charakteristischen Farben von Sprengstoff. Werden selbst winzige Sprengstoffreste mit dem Laser angestrahlt, so wird diese spektrale Signatur sichtbar. Fingerabdrücke mit gefährlichen Substanzen lassen sich nämlich nicht so leicht beseitigen.

Frank Fuchs: „Wer mit größeren Mengen von Explosivstoffen hantiert, vor allem, – sagen wir mal in diesem improvisierten Bereich, wenn er nicht gerade Reinraumtechniken anwendet, dann kontaminiert er sich und seine Umgebung. Türgriffe, Koffergriffe, all sowas, da bleiben Spuren dran. Diese Spuren, zum Beispiel bei TNT bleiben über ein halbes Jahr bestehen.“

Wie funktioniert die Sprengstoffsuche in der Praxis? Mit dem Laser allein ist es nicht getan. Das zurückgestreute Licht muss ein eingefangen und auf seine Eigenschaften untersucht werden. Kai D. Greif vom Frauenhofer Institut für physikalische Messtechnik hat ein Gerät entwickelt, das all diese Anforderungen erfüllt. Die integrierte Kamera nimmt Infrarot-Bilder des Untersuchungsobjekts auf, währenddessen spielt der Laser unterschiedliche Wellenlängen durch. Eine Software, die Herr D. Greif entwickelt hat verarbeitet die Bilder und erkennt, wenn sie die Signatur eines Sprengstoffs enthalten. Im Modellversuch haben die Wissenschaftler den Griff eines Koffers mit einem Fingerabdruck aus PETN, einem Plastiksprengstoff präpariert. So wie ihn ein Attentäter hinterlassen würde, der damit hantiert hat. In ein Gepäckstück hineinschauen können die Wissenschaftler nicht, doch bei Kofferbomben sind außen fasst immer Spuren des explosiven Stoffs vorhanden. Entscheidend aber, verdächtige Objekte müssen nicht mehr unter Lebensgefahr aus nächster Nähe auf Sprengstoffspuren untersucht werden. Das Fernziel der Forscher sogar bewegte Objekte kontrollieren zu können. Zum Bespiel Koffer auf Gepäckförderbändern. Das könnte routinemäßig geschehen nicht nur im Verdachtsfall. De Signatur des explosiven PETN ist sofort deutlich auf dem Kontroll-Monitor zu erkennen.

Frank Fuchs: „Wir haben jetzt ein Stadium erreicht, dass wir einen beispielsweise gewöhnlichen Fingerabdruck verhältnismäßig zuverlässig messen können. Ob wir jemals so empfindlich werden wie ein Hund mit seiner Schnüffelnase, das steht noch in den Sternen. Aber dem Hund im Vorteil haben wir, dass wir sozusagen nicht mit der Nase ran müssen. Wir können eben aus der Distanz messen.“

Werden Geräte, wie etwa der Freiburger Sprengstoff-Detektor, oder der Terahertz-Körperscanner irgendwann für lückenlose Sicherheit sorgen? Terroristen suchen immer nach Wegen, neue Technologien zu überlisten. 2009 versuchte ein Attentäter ein Flugzeug beim Anflug auf Detroit in die Luft zu jagen. Den Sprengstoff hatte er in seiner Unterhose am Detektor vorbeigeschmuggelt. Wo alle Scanner versagen, kommt der Mensch wieder ins Spiel. Viele Experten fordern bei der Personenkontrolle weniger auf Maschinen zu setzen. Wieder mehr auf Menschenkenntnis.

Martin Kahl: „Natürlich hat der geschulte Sicherheitsbeamte am Counter oder an der Eingangsschleuse so ein Gefühl, wer verhält sich auf ungewohnte Art und Weise, – das sind natürlich auch nur so Verdachtsmomente, aber ich glaube das da auch die Trefferquote nicht geringer ist als bei technologischen Überwachungssystemen. Wenn nicht sogar höher.“

Sind Sicherheits- und Zollbeamte klüger als jeder Scanner? Können sie dank ihrer Erfahrung Menschen mit bösen Absichten erkennen? Angesichts der Masse von Reisenden scheint diese Aufgabe schier unlösbar zu sein. Schon die Identifikation eines Menschen anhand seines Passfotos stellt die Beamten vor Probleme. Terroristen reisen häufig mit gestohlenen Pässen. Manche zeigten auch einfach den Reisepass eines Verwandten vor und wurden durchgewinkt.

Szenenwechsel im Film:

Am Flughafen Nürnberg: ein aufschlussreiches Experiment. Der Wahrnehmungs-Psychologe Claus Christian Carbon will herausfinden, wie gut ein Bundespolizist Menschen einer ihm fremden Ethnie unterschieden kann. Der Test zeigt ein Phänomen, dass die Wissenschaft als Cross-Race-Effect bekannt ist. Aus der subjektiven Sicht des Beamten sehen die jungen Frauen mit chinesischen Wurzeln einander sehr ähnlich. Dieser Effekt gilt auch umgekehrt, zum Beispiel wenn Asiaten Europäer auseinander halten müssen. Wer ist die junge Frau auf dem Passfoto? (…) Ein Chinese würde sich über diese Frage wundern, der deutsche Beamte hat es schwerer.

(Im Film steht eine Gruppe junger Chinesinnen an einem Zollschalter und ein Bediensteter der Bundespolizei prüft deren Personaldokumente.)

Damit sich Terroristen den Cross-Race-Effect nicht zu Nutze machen, müssen die Beamten intensiv ausgebildet werden, fordert Herr Carbon. Es gelte Sinne zu schärfen, die kein Scanner jemals besitzen wird.

Claus Christian Carbon: „Es gibt die Evolution der Gesichtserkennung, der Emotionserkennung und die ist zehn tausende von Jahren alt, hunderttausende von Jahren alt, wo wir tatsächlich Programme entwickelt haben als Menschen, die nicht so einfach zu überlisten sind. Vor allem dann, wenn wir es schaffen, diese Personen – die in sicherheitsrelevanten Bereichen tätig sind, tatsächlich weiter zu schulen, konsequent zu trainiere mit „Tools“, die wir als wissenschaftlich wirklich wertvoll erachten können.“

Noch schwieriger ist die Arbeit der Zollbeamten. Für sie genügt es nicht die Identität eines Menschen zu prüfen. Im Idealfall lesen sie in Gesichtern sogar Absichten und Gefühle. Eine Herausforderung gerade bei Reisenden, deren Wurzeln nicht in Europa liegen.

Ein weiterer Versuch aus der Verhaltenspsychologie: Erkennt der Zollbeamte die Nervosität von Schmugglern? In den USA existiert dafür sogar ein eigenes Berufsbild. Sicherheitspersonal wird darin geschult selbst kleinste Regungen in der Mimik von Einreisenden festzustellen. Aber das ist um ein vielfaches schwieriger, wenn es um Gesichter fremder Ethnien geht. Auch Emotionserkennung lässt sich erlernen sagt Herr Carbon. Mit einer eigens entwickelten Software testet der Zollbeamte, wie gut er die Mimik von Chinesen entschlüsseln kann. Erstellt wurde das Programm von dem Psychologen Bittermann. In China filmte er 160 Menschen und ihre Gefühlsregungen. (…) Die Aufgabe ist für den Beamten schwieriger als gedacht. Manchmal tippt er einfach und hat Glück. Nach 10tägigem Üben steigt die Trefferquote von 20 auf gut 90% sagen die Wissenschaftler. Doch bislang spielt Emotionserkennung bei der Schulung der Beamten kaum eine Rolle. Ein unerschlossenes Potenzial beim Kampf gegen Terrorismus und Kriminalität.

Hierzulande setzen Staat und Wirtschaft eher auf ausgefeilte Technologien, als auf Menschenkenntnis. Wird intelligente Sicherheitstechnik bald unser Leben durchdringen, so wie sich auch die einfachen Überwachungskameras allgegenwärtig ausgebreitet haben?

Martin Kahl: „Sicherheitstechnologie kann sicherlich für einige Bereiche die Sicherheit erhöhen. Eine durchgängige Sicherheit werden wir aber als eine Gesellschaft niemals herstelle könne, es sei denn, wir überwachen sie total. Das ist aber etwas, was man sich nicht wünschen kann.“

Auch wenn die perfekte Überwachung an ausgewählten Orten Realität wird, Menschenwürde und Bürgerrechte sollten nicht aus dem Blick geraten, fordert die Ethikerin Regina Ammicht Quinn. Sicherheit dürfe nie zum Selbstzweck werden.

Regina Ammicht Quinn: „Die Frage die wir stellen mit zunehmender Herstellung von Sicherheit ist sowas wie, das wir eine moralische Achtsamkeit brauchen in jedem einzelnen Punkt wo Sicherheit hergestellt wird. Weil es sein kann, dass durch die Herstellung von Sicherheit sich eine Gesellschaft so verändert, dass sie dann nicht mehr die Gesellschaft ist die wir eigentlich sichern und schützen wollten.“

(00.09.2013/Löwenzahn)

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